Forschungsprojekte ISSI

 


Forschung und Projekte

Unsere Projekte fokussieren sich u.a. auf die Bereiche Mediengeographie, Mobile Medien und Medienmethodologie. Eine Übersicht aktueller Projekte finden Sie unter folgendem Link: http://www.mobilemedia.uni-siegen.de/forschung/.


Glatte Räume – multiple Distanzen: Eine praxeologische Analyse von VR-Interfaces

Ein Forschungsprojekt von Max Kanderske und Tristan Thielmann (2016 – 2019). Ziel des Forschungsprojekts ist es, die Interdependenzen von Realraum und virtuellem Raum zu erforschen, die den NutzerInnen im Bereich der Virtual und Augmented Reality erfahrbar gemacht werden. Grundbedingung einer solchen Überlagerung ist stets das Tracking von Elementen des Realraums, besonders der Bewegungen der NutzerInnen durch das eine Aktualisierung der Kameraposition entsprechend der Kopfbewegungen sowie die Manipulation von Objekten im virtuellen Raum erst ermöglicht werden. Der Fokus der Arbeit liegt dabei auf der Analyse einer speziellen Form des Tracking-Interfaces, die die Handlungen der User ohne zusätzliche Handheld Devices in den virtuellen Raum überträgt. Neue mit Photomischdetektoren ausgestattete Kameras ermöglichen es, durch Messung der Distanzen zwischen Sensor und gefilmten Objekten ein sich in Echtzeit aktualisierendes Tiefenmodell der Umgebung zu erstellen, das etwa als Grundlage für Gestenerkennungsalgorithmen oder zur Erstellung virtueller Abbilder realer Gegenstände genutzt werden kann. Die innerhalb der Sensormatrix eines solchen PMD-Elements stattfindende multiple Distanzmessung bildet also die Grundlage für einen Positionsabgleich von Objekten in beiden Räumen. In welchem Maße Ein- und Ausgangshandlungen zur Deckungsgleichheit kommen, wird im Rahmen einer praxeologische Studie ermittelt. Neben einer Usability Study des Umgangs mit der Interfacetechnologie sind die durch den Einsatz von VR- und AR-Technik hervorgerufene Veränderung des Körper- und Raumbewusstseins sowie die Möglichkeiten der Manipulation des Wahrnehmungsraumes weitere Schwerpunkte der Untersuchung. Weitere Dissertationsprojekte im Rahmen des DFG-Graduiertenkollegs Locating Media.


DFG Forschungsprojekt “Navigation in Online / Offline Räumen”

Laufzeit: 2016 – 2019

Projektleitung: Tristan Thielmann und Carolin Gerlitz.

Durch das gemeinschaftliche Sammeln, Zirkulieren und Neuordnen von Geodaten scheinen sich mobile Navigationsanwendungen zu einem sozialen Medium zu wandeln. Inwiefern rekurrieren die neuen vernetzten Mobilmedien dabei auf historische Praktiken kollaborativer Kartographie? Das Teilprojekt geht von der Hypothese aus, dass die unterschiedlichen Praktiken der Raumproduktion in der Nachverfolgung von Mittlerketten und Wegspuren hervortreten. In der Darlegung von medialen Operationsketten quer durch Online- und Offline-Räume sollen die verschiedenen Formen der Zusammenarbeit und Koproduktion von Personen, Artefakten und Zeichen sichtbar werden. Im Zentrum der Analyse steht dabei die analoge und digitale Karte als Plattform für die Interoperabilität verschiedener Medien.

Das zentrale Ziel des Forschungsprojekts ist die Bestimmung des wechselseitigen Verhältnisses von Raum- und Medienpraktiken. Dies soll vor dem Hintergrund der Analyse dreier Navigationsmedien geschehen: 1. Anhand der Mediengeschichte US-amerikanischer Routenführer zwischen ca. 1885 und 1902 kann gezeigt werden, dass dieses Medium kooperativ geschaffen wurde und zugleich als Kooperationsbedingung für die Handlungsmacht eines Netzwerks von lokalen AkteurInnen diente. 2. Am Beispiel von Drohnen knnen Praktiken der verteilten Raumerfassung vernetzter Kameras untersucht werden. 3. Durch die Analyse von Social Navigation Apps kann gezeigt werden, wie Crowdsourced Maps als Verrechnungsplattformen dienen, die einerseits divergente soziale, kulturelle und konomische Interessen versammeln und andererseits gemeinsam Bewegung im Raum prozessieren.

Anhand des Vergleichs der drei Korpora soll der Frage nachgegangen werden, durch welche Medienpraktiken sich die Navigation in Online- und Offline-Räumen stabilisiert. Die Vergleichsanalyse kann zudem zeigen, welchen Beitrag die kultur- wie sozialwissenschaftlich bereits erforschte Praxeologie von Karten für die Übertragung auf mobile und vernetzte Digitalmedien leisten kann.


DFG Forschungsprojekt “Wissenschaftliche Medien und Praxistheorie: Harold Garfinkel und Ludwig Wittgenstein”

Laufzeit : 2016 – 2019

Projektleitung: Erhard Schüttpelz, Tristan Thielmann und Anne Warfield Rawls.

Die Science and Technology Studies (STS) haben innerhalb von zwei Generationen der Wissenschafts- und Technikforschung in exemplarischen Analysen eine eindrucksvolle Bandbreite unterschiedlicher naturwissenschaftlicher Veröffentlichungsprozesse und Medienpraktiken untersucht: von den Inskriptionen in Labor und Feld bis zur Publikationsreife und zum Lehrbuch, von den infrastrukturellen wissenschaftlichen und technischen Standardisierungen bis zur Wissenschaftspopularisierung und öffentlichen Expertise. Im Vergleich bleibt zu konstatieren, dass die Wissenschafts- und Technikforschung der STS die Medienpraktiken und Veröffentlichungsprozesse der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften und damit die Erschließung ihrer eigenen Herkunftsregion bislang nur zaghaft in Angriff genommen hat. Das Forschungsprojekt erarbeitet dieses Desiderat (a) vergleichend fr eine Geisteswissenschaft und eine Sozialwissenschaft (b) anhand von zwei zentralen Klassikern der Praxistheorie (c) durch die Untersuchung ihrer Kooperationsmedien:

anhand der Editionsgeschichte Ludwig Wittgensteins, die seit den 1950er Jahren eine paradigmatische Medien- und Technikgeschichte zwischen analogen und digitalen Medien (mit Pionier-Programmierungen nicht nur für den Bereich der Digital Humanities) durchlaufen hat; und

anhand der zeitgleichen Entstehung der Ethnomethodologie Harold Garfinkels, deren Medienpraktiken meist im Rahmen einer interdisziplinären Zusammenarbeit oder durch eine transdisziplinäre Übertragung gestaltet wurden, und deren zentrales Thema in der Untersuchung von ebenso universalen wie praktischen Kooperationsprinzipien bestand.

Ziel ist der Vergleich und die historische Bergung von zwei der bisher radikalsten philosophisch-sozialtheoretischen Ansätze zur Praxistheorie, d.h. zum theoretischen Vorhaben, die kooperative Praxis allen anderen semiotischen und sozialen Erklärungen vorzuordnen. Diese Wissenschaftsgeschichte der Praxistheorie dient zur Vorbereitung einer Edition der Schriften Harold Garfinkels.


Medien der Kooperation

Media of Cooperation (since 2016, DFG)

Der Sonderforschungsbereich “Medien der Kooperation” ist eine langfristige interdisziplinäre Forschungsanstrengungen, welche die Produktion und Zusammenarbeit über Medien analysiert. Die INF-Teilprojekte des Sonderforschungsbereiches stellen die sozio-technischen Infrastrukturen zur Verfügung, um die Forschung anderer Teilprojekte und die Forschung und Innovation in E-Humanities, Digital Humanities und E-Social Science durch die Forscher selbst zu unterstützten.